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Laizität

 

Laizität – eine Begriffsbestimmung

© Georg Korfmacher, 2019

 

Was ist Laizität, was Laizismus?

Der Wortstamm „Laie“ ist alt-griechisch (λαός - laós) und bedeutet an sich „Volk“ oder als Adjektiv (λαϊκός - laikós) „zum Volk gehörig“.

In Anbetracht des französischen Ursprungs der Begriffe Laizität und Laizismus, erleichtert ein Blick in die grosse Enzyklopädie „Larousse“ das Verständnis.

·Laizität (Laïcité) ist demnach der Zustand einer laizistisch (laïque) geprägten Organisation, Gesellschaftsform, Regelung etc.

·Laizismus (Laïcisme) hingegen ist die Lehre (doctrine) für die Gestaltung aller (staatlichen) Institutionen nach laizistischen Prinzipien, insbesondere im Bildungsbereich.

Laizistisch (laïque) schliesslich ist das Adjektiv oder Adverb.

Laizisierung (laïcisation) ist der Übergang von nicht-laizistischen Formen in die Laizität.

Laizistin und Laizist schliesslich sind die Anhänger dieser Denkrichtung.

 

Laizität (Laïcité) ist eine Wortschöpfung des Franzosen Ferdinand Buisson 1871 (Pädagoge, liberaler Protestant, Sozialist, Friedensnobelpreisträger), der nur in diesem neuen Begriff den gesamten Inhalt seiner Idee ohne Schnörkel und Umschweife umfasst sah. Auch er musste schon damit kämpfen, dass seine Wortschöpfung nicht überall und sofort eingängig war. Heute ist sie weltweit ein eindeutiger Begriff. Nur die Deutschen scheinen da etwas hinterher zu hinken. An der Sorbonne gibt es gar einen Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Laizität.

 

Laizität ist

  • das autonome Verständnis und die Durchführung staatlicher Aufgaben und Institutionen frei von jeglicher religiösen / weltanschaulichen Einflussnahme, Einmischung und Kontrolle und
  • die strikte Neutralität des Staates gegenüber allen individuellen Freiheitsrechten, insbesondere dem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis;
  • die konsequente Trennung von Staat und Kirche.

 

Den Ursprung der Laizität sieht Buisson im Humanismus, der Aufklärung und der französischen Revolution mit der Erklärung der Menschenrechte von 1789.

Nach Buisson fand die Laizisierung in mehreren Stufen statt:

„Erst durch eine langwierige Entwicklung über Jahrhunderte haben sich Schritt für Schritt die verschiedenen Funktionen des öffentlichen Lebens unterschieden, voneinander getrennt und von der engen Umklammerung der Kirche befreit. Schon früh ergaben sich zwangsläufig die Säkularisierung der Armee, dann der Verwaltung und im zivilen Bereich und schliesslich in der Justiz. Jede Gesellschaft, die nicht in einem rein theokratischen Zustand verharren will, muss von der Kirche getrennte, nämlich unabhängige und souveräne Gewalten der Legislative, Exekutive und Judikative festschreiben.“ (eigene Übersetzung)

(Originaltext : Ce n’est que par le lent travail des siècles que peu à peu les diverses fonctions de la vie publique se sont distinguées, séparées les unes des autres et affranchies de la tutelle étroite de l’Eglise. La force des choses a de très bonne heure amené la sécularisation de l’armée, puis celle des fonctions administratives et civiles, puis celle de la justice. Toute société qui ne veut pas rester à l’état de théocratie pure est bientôt obligée de constituer comme forces distinctes de l’Eglise, sinon indépendantes et souveraines, les trois pouvoirs législatif, exécutif, judiciaire.)

Heute ist die Laizität in der französischen Verfassung festgeschrieben und Fundament der laizistisch verfassten Demokratie in Frankreich.

 

Die Catholica hat mit ihrem eigenwilligen Gebrauch der lateinischen Sprache (Kirchenlatein) den Begriff laicus“  verwendet zur Abgrenzung der Leute aus dem Volk gegenüber den über dem Volk stehenden Priestern. So wurde laicus (Laie) mit der Zeit zu einem erniedrigenden Begriff für mangelndes Wissen, dumm, nicht professionell. Das spiegelt sich noch heute in den Worten „laienhaft, Laie (in gewissen Dingen)“ wieder. Ganz allgemein steht der Laie im Gegensatz zum Wissenden (Priester).

 

Nicht verschweigen darf man, dass es – wie bei allen Meinungen und Weltanschauungen – verschiedene Auslegungen gibt. Das ist bei der Laizität nicht anders. Die von F. Buisson geprägte und in der Politik umgesetzte Laizität könnte man wohl am besten mit „freidenkerischer“ Laizität bezeichnen. Manchmal spricht man auch von liberaler Laizität. Demgegenüber gab und gibt es den sog. “radikalen“ Laizismus. Dieser geht weit über die Behandlung von Religion und Weltanschauung als Privatsache hinaus, will Religion ganz aus dem öffentlichen Leben verbannen und attackiert Religion auch inhaltlich. Dies steht im krassen Widerspruch zum Postulat der Neutralität des Staates gegenüber Religionen und Weltanschauungen. Dieser radikale Laizismus wird insbesondere von extremen französischen Kommunisten vertreten.

 

 

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